10/06/2026
Green Day´s
HKS 57 war hier bei Ackerlei im Zweifelsfall immer die richtige Farbe, egal was angestrichen oder gedruckt werden sollte: das damalige Bioland-Grün! Nun, Farben ändern sich – unsere Einstellung zum ökologischen Landbau ist die gleiche geblieben. Die Natur hat viele Grüntöne in ihrem Repertoire und der Monat Juni ist mit seiner ganzen Farbpalette einfach einer der schönsten – laut einer repräsentativen Umfrage im eigenen Hause😉
So bunt und vielfältig sind auch die Aufgaben, die der Juniplan uns Gärtnern und Landwirten vorgibt. Das sind die Tage, die sich auf den Rest des Jahres krass auswirken. Was nicht gesät wird, kann nicht geerntet werden. Die Unkräuter, die nicht erwischt werden, sorgen für jede Menge Ärger – nicht nur, weil das Gemüse Konkurrenz hat, auch die Erntemaschinen verstopfen im Herbst und die Samen bringen in den Folgejahren große Mengen Nachkommen zum Vorschein. Die Kartoffeln brauchen Pflege, damit sie sich gut entwickeln und die nimmersatten Kartoffelkäferlarven die Pflanzen nicht vertilgen. Viele Pflanzen für die Herbst – und Winterernte wie Lauch, Grünkohl, Wirsing, Blumenkohl, Broccoli und Chinakohl müssen gepflanzt werden. Da wird manch laue Juninacht zum Tag und mancher Sonntag zum Arbeitstag. Nützt ja nix.
Wir pflanzen viele Herbst- und Winterkulturen in Mulch. Dafür haben wir eine Wicken-Roggen-Mischung angesät. Diese wird gehäckselt und 8-12cm dick auf die vorgesehenen Flächen verteilt. Bevor der Häcksler anrückt, informieren wir die Kitzrettung, die für die entsprechende Gemarkung zuständig ist. Damit kein Rehkitz zu Schaden kommt, fliegen sie mit Drohnen die Felder ab und kontrollieren mit Wärmebildkameras sehr genau, alle verdächtigen Stellen. Sollte ein Kitz im Acker liegen, dass noch zu klein ist, um selbstständig weglaufen zu können, wird es vorübergehend in einer vorbereiteten Kiste untergebracht – möglichst ohne es direkt zu berühren, damit es keinen fremden Geruch an sich hat, wenn es direkt nach dem Häckseln an die gleiche Fundstelle zurückgebracht wird. Leider kam ich zu spät zum Fotografieren – aber spannend ist das und eine sehr wichtige Aufgabe. Danke an dieser Stelle an die Issigheimer und Seligenstädter Kitzretter! Der Häcksler kennt auch keine geregelten Arbeitszeiten, daher sind alle in Abrufbereitschaft, vom Azubi bis zum Rentner, wenn der Wick-Roggen das richtige Stadium erreicht hat, alle Geräte bereit sind, das Wetter passt und dann auch noch der Lohnunternehmer Zeit hat! Diese Mulch-Pflanz-Geschichte testen wir nun schon ein paar Jahre aus. Nicht in allen Kulturen hatten wir erfolgreiche Ergebnisse, aber vor allem der Herbst- und Winterkohl macht sich sehr gut damit, weil man eben viel Wasser einspart, viel weniger Unkraut eine Chance hat und das Bodenleben mega aktiv ist, was zu einem gesunden Pflanzenwachstum beiträgt.
Wir haben unsere Möhren- und Pastinakenfelder abgeflammt. Im Säprozeß versuchen wir darauf hinzuarbeiten, dass das Unkraut zwei bis drei Tage Vorsprung hat vor der Kultur. Abflammen bedeutet dann, dass wir kurz bevor die Kultur ihren Kopf nach oben durch die Erde steckt, mit einem großen, extra für diesen Zweck konzipierten, Gasbrenner über den Acker fahren. Alles, was bis dahin an Unkräutern gewachsen ist, wird durch die Hitze oberirdisch kaputt gemacht. In der Regel sind das winzig kleine Pflanzen im Keimblattstadium. Das Ziel ist, einen möglichst Unkrautfreien Acker zu haben. Jedes Beikraut, was wir nicht von Hand entfernen müssen, spart Zeit und Geld. Warum das wichtig ist: Handarbeit ist wahnsinnig teuer geworden und schlicht nicht mehr bezahlbar! Zudem gibt es die Arbeitskräfte in unserer Branche nicht, die zu den Hackarbeitsstunden, wie sie ohne maschinelle Hilfe nötig wäre, bereit wären. Im konventionellen Gemüsebau wird das Problem mit Pestiziden gelöst, was für uns nicht in Frage kommt.
Nah dran an HKS siebenunfufzisch sind unsere Landgurken! Das ist die alternative Gurke für alle, die keine Gurke aus einem klimatisierten Gewächshaus möchten. Sie wachsen in einfachen Folientunneln und haben daher eine relativ kurze Kulturzeit von Juni bis max. Oktober. Ihre Schale ist dicker, sie haben etwas mehr Kerne im Vergleich zur Schlangengurke, wenn sie zu groß geerntet werden, aber geschmacklich sind die top!
Ebenfalls ein Geschmackserlebnis sind sie neu geernteten Frühkartoffeln Avanti und Solist! Klare Empfehlung an die Küche – jedoch natürlich noch nicht ganz günstig und auch noch nicht haltbar, da die Schale noch sehr dünn ist. Also, vielleicht eher die Sonntagskartoffel und unter der Woche gehen die bewährten Lagerkartoffeln auch noch sehr gut.
Die Fußball-Weltmeisterschaft ist ja terminlich glücklicherweise immer so gelegen, dass man auch als Nicht-Fan an tolle WM-Angebote kommt, die für jede Gartenparty tauglich sind 😉 Ich kann mich jedenfalls freuen, über mehr Inhalt bei Keksen und Snacks, neue Käse-Tortillas, Fußball-Pasta für kleine und Lammsbräu im Vierer-Tray für große Freunde.
Demnächst kommt auch das Fleisch- und Wurstangebot vom Hofgut Patershausen endlich in unserem Online-Shop an. Im Hofladen ist es bereits vorhanden. Ein besonderes Highlight darf ich auch schonmal ankündigen: Wir können einen Bioland-Angus-Bullen aus dem Stall meiner Eltern aus Oberissigheim zum Monatsende schlachten lassen! Er ist zeitweise mit unseren Tieren aufgewachsen, hat unser Gemüse gefuttert und wertvollen Mist geliefert. Geschlachtet und zerlegt wird er in der neuen-alten Metzgerei in Heusenstamm. Wir bieten im Juli auch Fleischpakete an - die genaue Info folgt.
Mit einigen vom Ladenteam haben wir den Biergarten im Hofgut Patershausen aufgesucht. Auch dort dominieren wundervolle Grüntöne die Umgebung – es liegt halt mitten im Wald und unter Bäumen sitzt man einfach schön! Das Angebot ist 100% Bio, vom Äppler bis zum Steak, die zwei- und vierbeinigen Hofgut-Bewohner sind coole Typen und die Atmosphäre des alten Gemäuers trägt das ihre dazu bei, dass hier viele Radfahrer und Spaziergänger einen entspannten Sonntag verbringen.
Blumenkohl, Bundzwiebeln, Buschbohnen, Baustellen,… sieht so aus, als würde alles mit B beginnen, was irgendwie Arbeit beschert. Ach nee, Fenchel, Zucchini, Spitzkohl und Weißkohl ernten wir auch mittlerweile.
Und der in dem hellgrünen Pulli ist Thomas E. aus O. – wenn er nicht baggert, erntet er manchmal Kirschen und die gibt’s jetzt in Mengen auch bei uns im Sortiment. Direkt neben den regionalen Erdbeeren!
Genießt einfach alles an diesen green Day´s mit den vielen Farbtupfen!
Rebekka Zell für das Ackerlei-Team
P.S. Dieser kleine Blumenacker beim Hofladen in Bruchköbel geben wir frei zum selber pflücken während der Öffnungszeiten sobald es noch ein paar Blüten mehr gibt.
Kleiner Rückblick Grill & Chill:
Schee war´s!