19/04/2026
Ich erinnere mich an das Lied „Doživjeti stotu“ (bedeutet: hundert Jahre erleben / sehr lange leben) – eine große Lebens-Gnjavaža (etwas Anstrengendes, Mühsames im Leben).
Vielleicht ist es eine der grundlegenden Fragen des Lebens: nicht wie lange wir leben, sondern wie wir leben. Die Vorstellung eines langen Lebens ist verlockend, doch noch wichtiger scheint die Qualität der gelebten Zeit zu sein – sofern überhaupt ein Gleichgewicht zwischen Intensität und Ruhe möglich ist.
Lebensstile verändern sich, und mit ihnen auch unsere Überzeugungen. Ich erinnere mich an meine Kindheit, in der Spinat als beinahe unverzichtbares Symbol der Gesundheit galt. Popkultur und Figuren wie Popaj haben diese Vorstellung geprägt. Heute erscheint mir Ernährung weniger als Dogma und mehr als ein offenes Feld: vielfältig, lebendig und genussvoll.
Ich sehe Essen nicht nur als Notwendigkeit, sondern als Ausdruck von Kultur und Persönlichkeit. Die Art, wie Menschen essen, erzählt oft mehr über sie, als sie selbst vermuten. Eine starre, dogmatische Haltung in der Ernährung verengt nicht selten auch den Blick auf die Welt. Eine offene Haltung hingegen kann neue geografische, historische und menschliche Perspektiven eröffnen.
Ernährung hat für mich auch eine soziale Dimension. Es sollte selbstverständlich sein, dass jeder Mensch Zugang zu gutem, gesundem und qualitativ hochwertigem Essen hat. Essen ist nie nur eine private Entscheidung – es ist auch eine Frage von Möglichkeiten, Umständen und sozialer Gerechtigkeit.
Gleichzeitig beschäftige ich mich bewusst mit der Wirkung von Lebensmitteln auf den Körper. Ich achte auf „gutes“ (HDL) und „schlechtes“ Cholesterin (LDL), da ich eine genetische Veranlagung habe, die eine Ablagerung von Cholesterin begünstigt. Deshalb interessiere ich mich für die Herkunft der Lebensmittel und unterscheide zwischen Transfetten, gesättigten Fetten und gesunden Fetten wie Olivenöl, Fisch und Nüssen.
So sehr Kontrolle und Wissen helfen können – die Genetik bleibt eine stille Konstante. Deshalb ist bewusste Auswahl für mich kein Zwang, sondern Teil eines Verständnisses für den eigenen Körper. Sogar beim Kochen frage ich manchmal nach einem Blutbild, um die Ernährung gezielt anzupassen.
So viel also für den Morgen.
Vielleicht ist genau das der Punkt: dass gesunde Ernährung nicht Verzicht bedeuten muss, sondern auch Genuss sein kann. Dann verliert selbst das „hundert Jahre erreichen“ seinen Charakter als Lebens-Gnjavaža – und wird zu einer möglichen, ruhigen Perspektive auf ein gutes Leben.
Im Kern bleibt es meine Haltung: Leben sollte bewusst, offen und zugleich genussvoll sein.