100 Jahre „Nah und Gut Schmotz“: Wie alles begann…
Seit 100 Jahren werden am Peter-Schroeder-Platz in Mehring Lebensmittel verkauft. Trotz großer Konkurrenz in nur wenige Kilometer entfernter Nachbarschaft hat sich „Nah und Gut Schmotz in Mehring“ bis heute gut behaupten können – und ist nach wie vor wichtig für die Lebensmittel-Versorgung vor Ort in und um die 2400-Gemeinde an der Mittelmosel. A
lles begann im Sommer 1910: Damals eröffnete Margarete Sonntag, geborene Bauerschmitz, in der früheren Schreinerwerkstatt ihres Mannes Johann Sonntag ein „Kolonialwarengeschäft“. Sie verkaufte seinerzeit alles, was zu dieser Zeit in einem Dorf benötigt wurde. Dann übernahm Maria Frick, geborene Sonntag, den Laden. Über den Hausflur gelangte man seinerseits noch in den Geschäftsraum. An den Wänden hingen Körbe, Waschbütten, Kuhketten, Kälberstricke – und auf dem Boden stand ein großes Fass mit Salzheringen. In einem Zinkeimer gab zudem es eingeweichten Stockfisch. Während heute bunte Verpackungen zum Kaufen motivieren sollen, wurden die Waren damals noch lose verkauft und deshalb in Schubladen und Behältern aufbewahrt – wie etwa Kaffee, Zucker, Senf, Öl, Salz und Marmelade. In der Kriegszeit Ende der dreißiger und bis Mitte der vierziger Jahre herrschte besonders an Luxusgütern enorme Knappheit. Deshalb wurden die Zi******en in Vierer-Packungen verkauft. Zwischen 1939 und ´45 war das Ein- und Verkaufen beschwerlich: Die Leute bekamen Lebensmittelmarken, die beim Kauf vom Geschäft gesammelt und dann bei der Amtsverwaltung gegen andere Scheine eingetauscht wurden. Für größere Einkäufe musste man nach Trier fahren und musste schauen, was es da überhaupt noch gab… Autos waren damals die große Seltenheit. Deshalb wurden diese Großeinkäufe mit der Moselbahn erledigt. Anschließend mussten die vollen Taschen nach Hause geschleppt werden. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg – im Jahre 1946 – wurde der Laden vergrößert. Doch schon nach wenigen Jahren – inzwischen hatte die Währungsreform im Jahre 1948 die Kaufkraft merklich verbessert – wurde deutlich, dass man erneut expandieren musste. Ein Standortwechsel wurde in Erwägung gezogen. Demgegenüber stand die günstige Geschäftslage in der Hauptstraße im Herzen von Mehring. 1955 wurde der Laden ein weiteres Mal umgebaut. Der Flur und die große Stube wurden nun zum Verkaufsraum dazu genommen. In dieser Zeit schloss man sich durch den Großhändler Schumacher aus Wittlich der „Fachring Gesellschaft“ (IFA) an. „Ab 1955 haben wir dann das erste Mal Bananen und Orangen geführt. Anderes Obst und Gemüse brauchten wir nicht zu verkaufen, da ja damals noch jeder Haushalt Gartenland hatte“, erinnert sich Ingrid Frick, die 1966 das alte haus mit Stallungen abreißen ließ und an der gleichen Stelle ein neues Haus mit Laden baute. Die damalige Ladenfläche betrug 150 Quadratmeter. „Zu dieser Zeit waren noch sechs weitere Lebensmittelgeschäfte im Dorf, das damals rund 1600 Einwohner hatte“, berichtet Ingrid Frick. Gekauft werden konnte nun in Selbstbedienung. Auch Haushaltswaren, Glas und Porzellan sowie Textilien und Wolle wurden in großen Mengen verkauft. 1975 dann die nächste Erweiterung auf 180 Quadratmeter: Auch der Lagerraum wurde in den Laden integriert. Hier wurde nun eine Fleischabteilung eingerichtet, deren Leitung Hans Frick übernahm. 1975 schloss sich der Familienbetrieb der „Edeka Südwest“ an. Zwischen 1967 und ´92 wurden 19 Lehrlinge ausgebildet. (aa)
100 Jahre „Nah und Gut Schmotz“: Unikat zwischen Schweich und Leiwen
Im Jahre 1992 übernahmen Ulla Schmotz, geborene Frick, und ihr Ehemann Johannes Schmotz den Betrieb. Die neuerliche Erweiterung auf eine Ladenfläche von 450 Quadratmetern umfasste auch einen Getränkemarkt. Nur ein Jahr später ein Tiefschlag. Das Jahrhunderthochwasser der nur einen Steinwurf entfernten Mosel verursachte einen erheblichen Schaden. Der große Stellenwert des Geschäfts für Mehring und Umgebung wurde durch den Einsatz von drei Feuerwehren deutlich, die das Geschäft absicherten. 2005 wechselte man vom Großhändler „Aktiv“ zu „Nah und Gut“, einem der Edeka angeschlossenen Händlerring. Die Fleischabteilung wurde vom Metzger Herres aus Schweich übernommen. Bis heute haben die Kunden dem Geschäft, das sich heute über eine Größe von 490 Quadratmetern erstreckt und seit Kurzem in einem noch größeren Kühlregal noch mehr Waren anbieten kann, die Treue gehalten. Ulla und Johannes Schmotz und die insgesamt zehnköpfige Mitarbeiterschaft bedanken sich auf diesem Wege einmal ausdrücklich für die entgegen gebrachte Treue. Dass sich das heutige „Nah und Gut“-Geschäft so lange und so gut halten konnte und das einzig verbliebene Geschäft dieser Art und Größenordnung zwischen Schweich und Leiwen entlang der Mosel ist, ist bemerkenswert, kommt aber auch nicht von ungefähr. Hohe Qualität, Frische als wichtige Maxime, Freundlichkeit und die persönliche Ansprache der Kunden werden Tag für Tag in die Tat umgesetzt und praktiziert.